Teil 3

       

    Kreatives Umdeuten

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalte

 

 

Kreatives Umdeuten (Reframing): Die Grundlagen...........................................           3.3

  1. Das “Teilemodell” im NLP.........................................................................          3.3

  2. Die Vorannahmen......................................................................................          3.4

  3. Die grundlegenden Ebenen des Umdeutens................................................           3.5

Übung Bedeutungsreframing............................................................................           3.7

Reframing und “Versöhnungsphysiologie”........................................................           3.8

Kontextreframing.............................................................................................          3.9

Six-Step-Reframing..........................................................................................         3.10

Reframing mit innerer Stimme..........................................................................           3.13

Verhandlungsreframing.....................................................................................          3.14

Übersicht der Reframing-Modelle......................................................................         3.18

 

 

Kreatives Umdeuten - Reframing

 

- Die Grundlagen -

 

 

1. Das “Teilemodell” im NLP

 

Das Teilemodell im NLP geht von der Grundannahme aus, daß die Persönlichkeit eines Menschen sich als ein aus vielen (meist unbewußten) Persönlichkeitsanteilen zusammengesetztes Ganzes beschreiben läßt.

 

Sprachliche Hinweise auf eine solche innere Aufteilung sind z.B.:

            “einerseits - andererseits”

            “etwas in mir zwingt (bremst) mich...”

            “In dem Moment war ich nicht ich selbst.”

            “Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.”

            “ja, aber...” usw.

 

In diesem Modell gibt es z.B.:

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich morgens aufstehe

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich manchmal verschlafe

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich rauche

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich auf Kritik wütend reagiere

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich manchmal rot werde

            einen “Teil”, der dafür verantwortlich ist, daß ich kreativ sein kann

            usw.

 

Gute Absicht

 

Weiter gehen wir im NLP von der Annahme aus, daß jeder dieser Teile mit dem was er tut, eine gute Absicht verfolgt, unabhängig davon, ob wir die Art und Weise, wie er dies tut, schätzen oder ablehnen.

Bei der Arbeit mit Teilen wird deshalb zunächst die positive Intention des Teils, der die unerwünschte Verhaltensweise, Reaktion, Emotion hervorbringt, herausgefunden und gewürdigt, so daß eine Aussöhnung mit dem Verhalten (und dem Teil, der dieses Verhalten auslöst) möglich wird.

 

Danach werden neue Möglichkeiten zur Verwirklichung dieser positiven Absicht gefunden.

 

Ein ausgeglichener und kongruent lebender Mensch lebt, entlang dieses Modells gedacht, in Harmonie mit all seinen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen.

 

Auch bei diesem Modell der inneren Teile geht es, wie bei allen anderen Modellen des NLP, nicht darum, ob es “wahr” oder “real” ist, sondern einfach darum, ob es hilft, unsere persönlichen Ziele zu erreichen.

 

 

 

2. Die Vorannahmen

 

 

Beim Reframing wird im NLP von folgenden Vorannahmen ausgegangen:

 

            Ø         Jedes Verhalten ist (oder war) in irgendeinem Kontext sinnvoll.

            Ø         Jedem Verhalten wird eine Bedeutung zugeschrieben.

            Ø         Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.

 

 

Probleme haben wir dann,

 

            à        wenn ein Verhalten in einer unpassenden Situation auftritt, d.h., wenn ein                                 Verhalten auf Kontexte generalisiert wird, auf die es nicht paßt,

            à        wenn einem Verhalten eine “falsche/unpassende” Bedeutung zugeschrieben wird.

            à        wenn zwischen dem Verhalten und der dahinter liegenden Intention nicht                                 unterschieden wird.

 

 

Unter “Verhalten” verstehen wir hier:

 

            à        beobachtbare Verhaltensweisen (was genau tut eine Person?),

            à        beobachtbare physiologische Merkmale (Hautfarbe, Haltung, Mimik, Gestik, etc.),

            à        innere Prozesse (innere Bilder, Geräusche, Stimmen, Gefühle, Emotionen, etc.).

 

 

 

Entsprechend dieser Voraussetzungen unterscheiden wir folgende Arten des Umdeutens (des Perspektivwechsels):

 

 

Kontextreframing:

 

Einordnen eines unerwünschten Verhaltens in einen dafür passenden Kontext und Finden eines neuen, passenden Verhaltens für den bisherigen “Problemkontext”.

 

 

Bedeutungsreframing:

 

Finden einer “passenderen” Bedeutung für das als problematisch erlebte Verhalten = anderer Blickwinkel auf dasselbe Phänomen.


 

 

3. Die grundlegenden Ebenen des Umdeutens:

    Kontext- und Bedeutungsreframing

 

 

Bedeutungs- und Kontextreframing sind die übergreifenden Grundmuster des kreativen Umdeutens. Beide Arten des Reframings können in Form verbaler Interventionen geschehen. Eine “Klage” (Zustandsbeschreibungen mit offensichtlichen Meta-Modell-Verletzungen) wird sprachlich umgedeutet.

 

 

Im Bedeutungsreframing wird für ein als problematisch erlebtes Verhalten (der Zustand) eine andere, passender Bedeutung gefunden. Dazu dienen u.a. Fragen nach der positiven Folge des Verhaltens (sekundärer Gewinn) oder nach einer verborgenen “guten Absicht” des Symptoms. Das unerwünschte Phänomen Krankheit beispielsweise könnte folgende nützlich Effekte und versteckte positive Intentionen haben:

 

            à        man kann sich endlich einmal um sich selbst kümmern, sich Zeit für sich nehmen                      oder eine Verschnaufpause machen

            à        man erfährt Zuwendung und Aufmerksamkeit von Freunden / der Familie

            à        es ist ein Signal (= positive Absicht) dafür, etwas Grundsätzliches in seinem Leben                  zu verändern, etc.

 

 

Beim Kontextreframing wird das unerwünschte Verhalten / der unerwünschte Zustand in einen dafür passenden Rahmen eingeordnet.

Angenommen, ein Schauspieler beklagt sich darüber, er sein während der Vorbereitung seiner Rolle “zu aufgeregt”. Das Verhalten “Aufregung” an sich ist zunächst einmal nichts Negatives. Es ist vielmehr in bestimmten Situationen sogar angenehm oder gar nützlich. So kann Aufregung vor einem lange ersehnten Rendezvous ein Genuß sein. In Form von Lampenfieber wieder ist Aufregung z.B. eine kreative Power, die alle für das Spiel benötigten Kraftreserven mobilisiert.

Wie wäre es, diese kreative Aufregung direkt vor der Vorstellung, statt schon während der Vorbereitung zur Verfügung zu haben?

 

 

Sowohl beim Kontext- als auch beim Bedeutungsreframing wird also die Perspektive auf das beklagte Phänomen gewechselt und damit eine Neueinschätzung und Neubewertung des Verhaltens / Symptoms ermöglicht.

Hilfreich sind bei solchen Umdeutungen Meta-Modell-Fragen, der Einbezug der neurologischen Ebenen und selbstverständlich Humor und Kreativität.

 

Besonders wirkungsvolle verbale Reframings werden “Power-” oder “Punch-Reframings” genannt.

Ein klassischer Fall eines recht drastischen “Punch-Reframings” ist folgender:

 

Klage: “ich bin depressiv.” Antwort: “Und ich bin Sigi.”


 

 

 

Verbales Reframing ist nützlich als Vorbereitung für jede NLP-Intervention, denn das Umdeuten führt in der Regel zu einer Zustandsveränderung, meist auch zu einer ersten Aussöhnung mit dem Problem und schafft damit gute Voraussetzungen für eine effektive Weiterarbeit. Wesentlich ist dabei allerdings, daß auch das verbale Umdeuten, wie alles, was wir tun, im Rapport miteinander geschieht! Ansonsten dient das Reframing zuallererst als Rapport-Brecher!

 

 

Bedeutungs- und Kontextreframing sind außerdem die Grundlagen bestimmter NLP-Techniken:

 

 

Das Sechs-Stufen-Reframing z.B. ist ein Bedeutungsreframing.

 

Die Vorannahme bei dieser Intervention ist, daß es sich hier um einen Persönlichkeitsanteil mit positiver Intention und unzureichenden Strategien zu seiner Umsetzung handelt.

D.h.: Das Verhalten wird umgedeutet, es hat nämlich eine gute Absicht. Das schafft die Basis für die dann folgende Veränderungsarbeit. Dabei werden neue, kreative Strategien zur Realisierung der eigentlichen Intention gefunden.

 

 

Im Kontextreframing ist die Richtung eine andere. Hier ist die Vorannahme, daß jedes auch noch so problematisch erscheinende Verhalten in irgendeinem Rahmen sinnvoll ist oder war.

 

Bei dieser Technik wird das alte, “unerwünschte” Verhalten in eine andere/neue Situation transportiert, in die es paßt. Für die Ausgangssituation wird dann ein neues, adäquateres Verhalten entwickelt. Die Veränderung erfolgt hier vor allem über die Veränderung des Kontextes, des äußeren Rahmens.

 

 

Im Verhandlungsreframing fließen sowohl Kontext- als auch das Bedeutungsreframing mit ein.

 

Auch hier ist die Vorannahme, daß es sich um sinnvolles Verhalten handelt (Bedeutungs-reframing), welches jedoch unkoordiniert abläuft, da sich hier zwei Teile miteinander im Konflikt befinden. Über die Kommunikation der Teile untereinander werden hier letztlich neue Situationen / Rahmenbedingungen geschaffen (Kontextreframing), die es beiden Persönlich-keitsanteilen ermöglichen, ihre gute Absicht auf bessere Art und Weise zu erfüllen.

 


 

Übung: Bedeutungsreframing

 

 

1.         Nimm eine unerfreuliche Erfahrung und ordne ihr deine übliche Reaktion        darauf zu. Welche Bedeutung gibst du dieser Erfahrung?

 

            Beispiele: Ø         Daß der Teppich glatt und sauber ist, bedeutet, daß meine Arbeit gut ist, daß man                                  mich anerkennt.

                        Ø         Wenn Fußstapfen darauf sind, anerkennt man mich nicht.

                        Ø         Daß ich viel Arbeit habe, bedeutet Streß und Verspannung.

2.         Reframing: Stelle dir diese Erfahrung in einem größeren / kleineren    Rahmen   
            vor, Upchunk / Downchunk, etc.

 

                        Ø         Zeit: Stelle diese Erfahrung in einen größeren Zeitrahmen.

                        Ø         Abstand: Nimm von dieser Erfahrung räumliche oder emotionale Distanz.

                        Ø         Kontext: Bring diese Erfahrung auf einen anderen Erdteil, in eine andere                                               Berufsgruppe, in ein Märchen oder eine Heldengeschichte.

                        Ø         Lebensperspektiven: Schau dir diese Erfahrung aus der Perspektive eines Kindes,                                  eines Greises usw. an.

                        Ø         Geschlechterrolle wechseln: Wie würde eine Frau bzw. ein Mann diese Erfahrung                                 erleben?

                        Ø         Submodalitätstechnik: Was würde passieren, wenn du die Erfahrung heller /                                           dunkler, bunt / pastellfarben / schwarzweiß, usw. machst?

                        Ø         Referenzerfahrung: Wie bewertest du ganz andere oder ähnliche Erfahrungen?

 

3.         Gibt es etwas, von dem du bemerkst, daß es deine Reaktion ändert?

 

            Beispiel:   Ø         Stell dir den glatten, sauberen Teppich vor. Wenn er immer so ist, bedeutet das,                         daß du ganz allein bist und keiner deiner Lieben vorbeikommt.

                        Ø         Schau dir das Arbeitspensum über ein Jahr verteilt an, vergleiche deine                                                 Arbeitssituation mit der in anderen Ländern.

 

4.         Reframe, neuer Satz, Schlußfolgerung.

 

                Beispiel:   Ø         Daß so viele Fußspuren auf dem Teppich sind, bedeutet, daß ich nicht allein bin.

                        Ø         Daß ich so viel Arbeit habe, bedeutet, daß ich nicht hungern muß, daß ich mir                                        Ferien leisten kann.

 

Hinweis: Bedeutungsreframing ist angebracht bei den Meta-Modell-Verletzungen “Ursache-Wirkung”:

 

            Beispiele: Ø         Deine lässige Kleidung ärgert mich.

                        Ø         Es ärgert mich, wenn d nervös bist.

                        Ø         Ich bin traurig, weil du zu spät kommst.

                        Ø         Immer wenn das Treppenhaus schmutzig ist, werde ich wütend.

                        Ø         Immer wenn viel Arbeit vor mir liegt, verspanne ich mich.

 

Reframing und "Versöhnungsphysiologie"

 

 

 

Wenn ich einen Zustand, ein Verhalten oder ein Gefühl in neuem Licht sehen kann, verändere ich meist auch meine Einstellung dazu. Ich beginne, ich mit dem vorher nur als problematisch angesehenen Zustand auszusöhnen und versöhnliche Aspekte daran wahrzunehmen. Dies ist dann auch an meiner Physiologie erkennbar, für die Thies Stahl den Ausdruck "Versöhnungsphysiologie" prägte. Erst, wenn es zu dieser physiologischen Änderung kommt, ist ein Reframing wirklich "angekommen" oder hat überhaupt ein Reframing stattgefunden.

 

Wer kennt sie nicht, die "notorischen Reframer"? Jedes negative Empfinden wird gnadenlos umgedeutet und positiv interpretiert, ohne Rücksicht darauf, ob es beim anderen auch tatsächlich positiv ankommt:

 

"Hallo, wie geht es dir?"

"Schlecht, vorige Woche ist mein Mann gestorben."

"Na wunderbar, dies ist ja eine tolle Chance zum Neubeginn!"

 

Gemäß der Grundannahme des NLP "Die Bedeutung der Kommunikation liegt in der Reaktion des Empfängers" bestimmt der Empfänger, ob ein Reframing ein Reframing ist!

 

 

 

Übung: Inhaltliches Reframing und Versöhnungsphysiologie

Dreiergruppen

 

(1)       Die Klientin trägt eine Klage / Beschwerde vor (entweder eine eigene oder eine von    jemand anderem)

 

2)         B überlegt sich mögliche Umdeutungen und spricht sie dann aus. Gemeinsam mit C      beobachtet er die Physiologie der Klientin, bis deutliche Anzeichen der          Versöhnungsphysiologie zu erkennen sind

 

(3)       Feedback und Wechsel          

 


 

Kontextreframing

 

1.         Finde eine Situation, in der du dich deiner Meinung nach unangemessen verhältst.

 

2.         Trenne Situation und Verhalten. Ankere die Situation mit einem Raumanker S1. Erlebe dein       bisheriges Verhalten in der Situation und ankere dieses Verhalten (V1) getrennt.

 

3.         Finde aus der Metaposition einen anderen passenden Kontext (Rahmen) für das  “unerwünschte”          Verhalten. Gehe nun mit diesem Verhalten (V1) durch verschiedene          Situationen / Zeiten deines         Lebens und finde eine Situation / einen Rahmen, in das dieses Verhalten gepaßt hat oder vielleicht         gepaßt hätte. Ankere auch diese Situation (S2).

 

4.         Erlebe nun dein bisheriges Verhalten in dieser dafür passenden Situation. Erlebe auch seine        positive Funktion, die es hier für dich zu dieser Zeit hatte. Falls diese Erfahrung dennoch defizitär        bleiben sollte, versorge das jüngere Selbst sowie die an der Situation Beteiligten aus der
            Dissoziation mit Ressourcen, die damals vielleicht gefehlt haben und erlebe dann die gesamte     Erfahrung assoziiert auf neue Weise.

 

5.         Finde aus der Metaposition für die Ausgangssituation (S1) ein anderes, geeignetes Verhalten (V2).         Erlebe das gewünschte Verhalten in einer entsprechenden Situation mit all deinen Sinnen und          ankere es (füge eventuell noch fehlende Ressourcen hinzu).

 

6.         Verbinde nun dieses neue Verhalten mit der Ausgangssituation S1. Erlebe dein “neues” Verhalten         im “alten” Rahmen (S1) mit allen Sinnen und aktiviere dabei beide Anker (V2 und S1).

 

7.         Future Pace

 

 

Kontextreframing im Überblick

1.                                                                    2.

                unerwünschtes                                             trennen                                     unerwünschtes

                Verhalten V1                                                                                    Verhalten V1

 


             Ausgangssituation S1                             Ausgangssituation S1

 

 

3.                                                                    4.

                andere Situation,                                          Verhalten V1

              in die das Verhalten

              paßt.              S2                                                           S2

 

 

5.                                                                                           6.

               gewünschtes                                                 gewünschtes

               Verhalten V2                                                Verhalten V2

 

                                                                              Ausgangssituation S1

 


 

 

Six-Step-Reframing

 

 

 

 

Das Six-Step-Reframing basiert auf drei Konzepten:

 

q        dem Konzept der Persönlichkeitsanteile

q        dem Konzept der unbewußten Wahlmöglichkeiten und

q        dem des sekundären Gewinns.

 

Übergewicht  beispielsweise kann man so betrachten, als ob ein unbewußter Teil dafür sorgt,

daß ein bestimmtes Gewicht gehalten wird (bewußt tut man ja oft sehr viel, um von diesem
Gewicht wieder wegzukommen!).

NLP glaubt weiterhin, daß dieser unbewußte Teil nicht eigentlich will, daß die Person
übergewichtig ist, sondern daß er das Übergewichtigsein für etwas anderes benutzt. Manche brauchen ein paar Pfunde mehr, um sich wirklich “ge-wichtig” zu fühlen.

Anders ausgedrückt: Symptome besitzen eine bestimmte Funktion!

 

 

 

 

 

Six-Step-Reframing im Überblick

 

Finde ein unerwünschtes Verhalten “X”.

 

1.         Stelle die Kommunikation mit dem Teil her, der für “X” verantwortlich ist.

 

2.         Vereinbare ein Ja-/Nein-Signal.

 

3.         Trenne Verhalten von Intention.

 

4.         Finde mit Hilfe des “kreativen Teils” neue Wege, die positive Intention ohne die           unerwünschten Nebenwirkungen zu erreichen.

 

5.         Verankere die neuen Verhaltensweisen.

 

6.         Ökologie-Check

 


 

 

Six-Step-Reframing ausführlich

 

 

 

A findet etwas, was er/sie verändern will: "Ich will nicht mehr X". B macht folgendes:

 

 

(0)       Ideen Säen”

 

                        a) Trennung von Bewußtsein und Unbewußtsein

                           ("Du willst vom Bewußtsein her nicht, daß X auftritt?!")

 

                        b) Hierarchie

                           ("Dein unbewußter Teil ist mächtiger als Dein Bewußtsein")

 

                        c) Zuverlässigkeit

                           ("Der unbewußte Teil hat noch nie vergessen, X zu machen, wenn der Kontext                                        dafür gegeben war!")

 

                        d) Trennung von Absicht und Verhalten

                            (Wie der unbewußte Teil etwas tut, ist nicht identisch mit dem Wofür bzw.                                         dem Wozu)

 

 

(1)       Herstellen der Kommunikation mit dem unbewußten Teil: Signal.

 

            B bittet A, nach innen zu gehen und den unbewußten Teil zu fragen:

            "Wird der Teil von mir, der für X verantwortlich ist, im Bewußtsein mit mir         kommunizieren?"

            Dann gibt A einfach acht, was passiert (Veränderungen der Gefühle, visuelle    Vorstellungen, innere Gehörseindrücke). B beobachtet dabei A. Dann berichtet A über        seine Wahrnehmungen. Wichtig ist, daß das Signal sinnesspezifisch ist.

 

 

(2)       Ja-/Nein-Signal vereinbaren.

 

            B zu A:

            "Wenn es für Dich stimmt, geh nach innen und bedanke Dich bei dem Teil".

            Dann fragt sich A wieder selbst:

            "Ich möchte gerne Deine Botschaft verstehen. Ich möchte deshalb gerne, daß Du

            (unbewußter Teil) das gleiche Signal intensivierst, wenn Du `Ja, ich bin bereit, mit Dir
            zu kommunizieren´ sagen willst und es abschwächst, wenn Du `Nein, ich bin nicht          bereit, mit Dir zu kommunizieren´ sagen willst."

            Dadurch entsteht ein interner Kommunikationskanal: das Bewußtsein von A ist nun      verbunden mit dem unbewußten Anteil.

 

 

(3)       Verhalten und Intention trennen.

 

            A zu sich selbst:

            "Bist Du bereit, mich im Bewußtsein wissen zu lassen, was Du mit diesem            Verhaltensmuster für mich zu tun versuchst?"

            A wartet dann auf Ja-/Nein-Signal.

            Bei Ja-Antwort ist eine bewußte Würdigung dessen möglich, was der Teil auf              unbewußter Ebene versucht hat, für B zu tun.

            Bei Nein-Antwort: alle unbewußten Teile schützen unter anderem das Bewußtsein vor
            zu viel Information. Es kann sein, daß der Zeitpunkt dazu noch nicht der richtige ist.

            Bestehen noch grundsätzliche Zweifel, ob der Teil wirklich eine positive Absicht hat,    kann A auch direkt fragen:

            "Verfolgst Du mit dem Verhaltensmuster X eine für mich positive Absicht?"

 

            Wie leicht oder schwer Schritt 3 gelingt, hängt entscheidend vom Rapport zum           unbewußten Teil ab! Damit ist sowohl die Beziehung sowohl von A als auch von B zu
            dem Teil gemeint.

 

 

(4)       Alternativen zum Verhaltensmuster X schaffen.

 

            (a) Induktion des "kreativen Teils".

            B zu A:

            "Gibt es einen Teil in Dir, den Du als kreativen Teil betrachtest?"

            Wenn Nein-Antwort kommt, mit anderen Namen versuchen etc.

 

            (b) Konferenz des unbewußten Teils mit dem kreativen Teil.

            A zu dem Teil:

            "Geh zu dem kreativen Teil und unterrichte den kreativen Teil, was Du für mich tust.     Dann laße den kreativen Teil beginnen, alternative Wege zu finden, wie diese Absicht      erreicht werden kann. Aus dieser Fülle von Alternativen wähle diejenigen Wege aus,
            die zumindest genauso effektiv sind wie das bisherige Verhaltensmuster , wenn nicht      sogar noch effektiver. Wähle mindestens drei aus und schicke mir jedesmal bitte ein
            Ja-Signal."

 

 

(5)       Bereitschaft, die Alternativen zu benutzen: Verankern der neuen          Verhaltensmöglichkeiten.

 

            B zu A:

            "Frage den Teil, ob er bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen, daß die neuen         Wege in meinem Verhalten genauso automatisch, zuverlässig und unabhängig von             meinem Bewußtsein auftreten werden wie vorher X."

 

            Gut ist hier auch, eine Probezeit zu vereinbaren, z.B. für die nächsten sechs Wochen.


 

 

(6)       Ökologische Überprüfung.

 

            A zu sich selbst:

            "Gibt es einen Teil, der gegen diese Vereinbarung, daß diese drei neuen Wahlmöglichkeiten       angewandt und ausprobiert werden, irgendwelche Einwände hat?"

           

            Wenn Ja-Antwort auftritt, dann soll dieser (und eventuell folgende Teile) eine
            Konferenz mit dem kreativen Teil machen und sich beraten lassen, was er tun kann, um
            die drei Wahlmöglichkeiten stattfinden zu lassen.

 

 

Beim ganzen Prozeß des Six-Step-Reframings beschränkt sich die Rolle von B auf eine Art Gesprächsmoderation: Den eigentlichen Dialog führt A mit sich selbst, mit seinem Unbewußten und/oder seinem unbewußten Anteil. Dadurch kann sich auch der Rapport aufsplitten, wenn z.B. B einen guten Rapport zum unbewußten Anteil, nicht aber zum Bewußtsein von A hat. Eine erfolgreiche Lösung wird es jedoch nur geben, wenn alle "Beteiligten" (Bewußtsein und Unbewußtsein) mit einbezogen sind.

 

Um mit dem Teilekonzept besser arbeiten zu können, sind Metaphern hilfreich: kann kann dabei die innere Organsisation, die Psyche sich als Familie, als Firma u.s.w. vorstellen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, daß die "Landkarte" mit dem NLP-"Gebiet" verwechselt wird: daß man z.B. glaubt, daß man das "Innere Kind" oder ein "Erwachsenen-Ich" tatsächlich habe.

 

 

 

Reframing mit innerer Stimme

 

(1)       Identifiziere eine innere Stimme, die Dir unangenehm ist, unter der Du leidest, die Dich                        stört o.ä.

 

(2)       Sprich diese Stimme direkt an und bitte sie, Dir zu sagen, welches positive Ziel sie für Dich erreichen will. Kannst Du dieser Absicht zustimmen?

            Frag die Stimme auch, ob sie der Meinung ist, daß sie über gute Informationen
            verfügt, die für Dich nützlich sein könnten, vorausgesetzt, Du verstehst sie.

 

(3)       Wenn "Ja", frag die Stimme, ob sie bereit wäre, die Art zu ändern, in der sie zu Dir     spricht, wenn dies bewirken würde, daß Du leichter zuhörst und verstehst.

 

(4)       Finde heraus, wie eine Stimme beschaffen sein müßte, der Du leichter zuhören und
            die Du besser verstehen kanst und die für Dich angenehm ist. Achte auf Tonfall,
            Tonhöhe, Melodie, Lautstärke, auch auf die Position, aus der heraus die Stimme
            erklingt. Wenn dies schwer fällt, denke an eine Person, deren Stimme Dir gefällt und
            der Du gern zuhörst und vergegenwärtige Dir dann deren Stimme.

 

(5)       Frage die Stimme, ob sie bereit ist, diese andere Art auszuporbieren und zu testen, ob
            Du tatsächlich besser zuhörst, wenn sie anders mit Dir spricht.


 

 

Verhandlungsreframing

 

 

 

 

Beim 6-Step-Reframingmodell gehen wir davon aus, daß es einen Teil gibt, der die Person veranlaßt, etwas zu tun, was sie nicht tun will. Manchmal ist es jedoch besser, eine ganz anderen Voraussetzung zu treffen: nämlich so zu tun, als ob die Schwierigkeit darin bestünde, daß zwei oder mehr Teile im Konflikt miteinander sind.

 

 

Dabei hat jeder Teil eine sinnvolle Funktion und auch einen sinnvollen Weg, diese Funktion zu erfüllen (im Gegensatz zum Teil des 6-Step-Reframings), beide Teile stehen sich aber gegenseitig im Weg.

 

So kennt fast jeder einen "Arbeits-" und einen "Spielteil". Wir sitzen am Schreibtisch und wollen etwas Wichtiges erledigen, werden aber ständig gestört durch eine Stimme, die uns einflüstert: "Draußen scheint die Sonne!". Später liegen gestört wir dann in der Sonne aber diesmal meldet sich eine andere Stimme, die uns gnadenlos fragt: "Was ist jetzt mit der Steuererklärung?"

 

 

Ein Indikator dafür, daß ein Reframing mit zwei Teilen angemessen ist, ist, wenn die Umkehrung des Problems ebenfalls auftritt, wie im obigen Beispiel. Beide Teile stören sich gegenseitig.

 

 

Die Lösung besteht darin, daß

 

            F die beiden Teile sich gegenseitig kennenlernen,

           

            F die beiden Teile sich gegenseitig ihre positiven Absichten für das Gesamtsystem           mitteilen,

 

            F jeder Teil den anderen für seine Absicht innerhalb des Gesamtsystems würdigt,

 

            F sich beide Teile der Synergiekraft bewußt werden und

 

            F dadurch ein Klima für neue Abmachungen gechaffen wird.

 

 


 

 

 

1. Identifizieren der beiden Teile X und Y

 

 

Identifiziere einen Zustand, für den gilt: “Immer, wenn ich X will, passiert Y.”

Ankere X (“einerseits”) in der linken, Y (“andererseits”) in der rechten Hand.

 

 

2. Charakterisieren der Teile und Ermitteln ihrer positiven Absichten

 

 

a. Stelle an X die Fragen:

 

            F “Worum geht es dir?”

            F “Welches ist die positive Absicht deines Verhaltens?Was willst du Gutes tun für mein                  Gesamtsystem?”

 

Höre aufmerksam zu und notiere eventuell die Antworten.

 

 

b. Laße nun für die positive Absicht und die Werte, die der Teil in dein Leben bringen will, 

    ein Symbol entstehen. Vertiefe das Erleben des Symbols.

 

 

c. Würdige die positive Absicht aus der Perspektive des “Chefs des Gesamtsystems”.

 

 

d. Dasselbe mit Teil Y.

 

 

3. Kommunikation der Teile miteinander

 

 

Nimm die dritte Person ein und betrachte als “Chef des Gesamtsystems” die beiden Symbole jeweils in der linken und rechten Hand. Frage jeden einzelnen Teil, wie und wann er vom anderen Teil gestört wird.

 

Stelle die beiden Teile einander vor und betone ihre jeweilige positive Absicht.

 

Achte dabei auf eventuelle Kommentare der einzelnen Teile.


 

 

 

4. Verhandeln und Abmachungen treffen

 

 

a.         Frage X, ob ihm seine positive Absichten, seine Werte, wichtig genug sind, daß er      bereit wäre, Y nicht zu unterbrechen, wenn er als Gegenleistung ebenfalls nicht             unterbrochen wird.

 

b.         Frage Y, ob  er bereit ist, X nicht zu unterbrechen, wenn ihn X seinerseits nicht            unterbricht.

 

c.         Wenn die beiden Teile für die Abmachung bereit sind, laße die genauen Bedingungen        festlegen.  Frage jeden Teil, ob er bereit ist, das Abgemachte für einen Probezeitraum
            zu tun.

 

d.         Beide Teile könne sich gegenseitig Ressourcen geben und austauschen, beispielsweise
            in Form von Symbolen, Farben, Fähigkeiten usw. Manchmal ist es wichtig, auch
            Ressourcen von außen hinzunehmen.

 

Wenn noch keine Abmachungen möglich sind, suche einen Ort in der realen oder phantasierten
Welt, an dem sich die beiden Symbole auf eine kreative Weise begegnen und weiter kennenlernen können. Lege dann beide Hände auf den Körper und nimm die Ganzheit wahr.

 

5. Abschlußritual und Integration

 

 

Wenn es stimmig und kongruent ist, können die beiden Teile völlig miteinander verschmelzen,
in dem die linke und die rechte Hand im richtigen Tempo zusammengeführt werden - ein neuer
Teil entsteht aus den beiden alten. Stelle dir vor, wie sich die Veränderung im ganzen Körper ausbreitet (assoziiert).

 

 

6. Ökocheck

 

 

Sind alle Teile einverstanden?                                      è Abschluß

 

Gibt es Einwände?                                                                  è zurück zu Schritt 2

 

Sind noch andere Teile an diesem Verhalten beteiligt? è zurück zu Schritt 2


 

 

 

 

 

Verhandlungs-

Reframing

 

 

Synergie

Integration

 


Abmachungen

 


kennen

lernen

Symbol                                 Symbol

 


Nutzen                                Nutzen

pos. Absicht                        pos. Absicht

 

 


Teil                                       Teil

X                                           Y

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übersicht der Reframing-Modelle bzw. -Methoden

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                       verbales Umdeuten

                                   Bedeutungs-              Methoden:

                                   Reframing                                                     6-Step-Methode

 


                                                                       Wo anwenden?            z.B. bei M-Modell-Verletzungen

                                                                                                          Verzerrung, Ursache-Wirkung

 

 

 

 

 


                                                                                                          verbales Kontext-Reframing

Reframing-                   Kontext-                     Methoden                   

Modelle               Reframing                                                     Methode Kontextreframing

                                                                      

                                                                       Wo anwenden?            z.B. bei M-Modell-Verletzung

                                                                                                          Tilgung, Generalisierung

 

 

 

 

 


                                   Verhandlungs-          Methode                      Verhandlungsreframing

                                   Reframing

 


                                                                       Wo anwenden?            z.B. Konflikt zweier “Teile”:

                                                                                                          einerseits dies,

                                                                                                          andererseits das